Einkommensverteilung

Angeblich soll sich die Einkommensverteilung seit Anfang der 90er Jahre gar nicht so erheblich geändert haben. Der angebliche Anstieg soll eher auf das Anlegen unetrschiedlicher Maßstäbe zurückzuführen sein.

Ich will nun versuchen folgende Zahlen zu beschaffen:

  • Durchschnittseinkommen 1994, 2010
  • Wieviel Prozent der Einkommensbezieher liegen im folgenden Bändern: <10%, 10-40%,40-60%,60-90%,>90%

Dazu starten wir beim statistischen Bundesamt …

Weiter zum Bundesfinanzministerium … interessant ist, daß behauptet wird, daß zwischen 2002 und 2005 die Bruttoverdienste von 24.873 Euro auf 23.684 Euro pro Jahr (siehe Abschnitt „III. Kernaussagen“) gesunken sind. Daß wieder spricht klar dem Statistischen Bundesamt, welches im gleichen Zeitraum einen Anstieg von 2.701 € monatlich auf 2.901 € ausweist. Das Bundesamt berücksichtigt allerdings keine Sonder- oder Einmalzahlungen. Was bedeutet das bei einem Absinken? Daß es „negative“ Einmalzahlungen gab? Eher nicht … schaue mir mal den Bericht der Regierung genauer an … ok: gefunden. Die Aussage des Absinkens bezieht sich auf „Realeinkommen“. Also inflationsbereinigt. Nominal nennen sie in Abschnitt „IV.2 Sozialtransfers verringern Armutsrisiken“ den Anstieg. Diese Aussage stimmt mit denen des Statistischen Bundesamtes überein.

Weiter auf der Suche wie die Verteilung ist … Auf Seite IX steht, daß es im oberen Zehntel leicht zugenommen, in der Mitte stagnierend und unten absinkendes Einkommensniveau gibt. Es wird zum Teil auf den starken Anstieg von Alleinerzieherhaushalten zurückgeführt, welche (pro Person) ein geringeres Einkommen erzielen. Plädoyer für die „klassische“ Familie?

Interessant: (Zitat) „Die einkommensstärksten 10% der Einkommensteuerpflichtigen tragen zu 52% des gesamten Einkommensteueraufkommens bei, die unteren 50% zu gut 6%.“

Eine interessante Bestätigung des Verdachtes, daß Äpfel mit Birnen verglichen werden: (Seite XI). Verschiedene Erhebungen aus den Jahren 2003 bis 2006 kommen bei verschiedenen Verfahren / Methodiken zu unterschiedlichen Ergebnissen. Wenn man es nur kurz überfliegt, kommt man zu folgender Wahrnehmung: Von 14% Armutsrisikoquote 2003 kam es zu 18% 2006. Erschreckend! Alarmierend! Bei genauerem Hinsehen erkennt man, daß sehr unterschiedliche Armutsgrenzen angesetzt wurden: Zwischen 736 und 980 € ! Das ist eine Schwankung von 33% ! Für 2006 gibt es 2 Erhebungen bei denen die eine (EU-SILC 2006) 13%, und die andere (SOEP 2006) 18% ausweist. Im gleichen Jahr. Wenn das nicht Äpfel und Birnen sind!

Ich muß also die gleiche Studie / Methodik aus verschiedenen Jahren nehmen: Mikrozensus 2005 gegen Mikrozensus 2007 . 15 gegen 14,3% !

Jetzt kommen wir der Sache schon näher: Auf oben genannter Seite wird auf Sozialberichterstattung – Armutsgefährdungsquote verwiesen. In dieser Tabelle steht: Von 2005 zu 2008 ist die Quote von 14,7 über 14,0 (!) und 14,3 auf 14,4 „gesunken“. In Anführungszeichen, da es gegenüber 2006 und 2007 ein Anstieg, jedoch gegenüber 2005 eine Senkung ist. Insgesamt kann man von Stagnation reden.

Interessant wäre jetzt noch eine Aussage im Vergleich zu den 1990er Jahren. EU-SILC gibt es leider erst seit 2003. Das Sozio-ökonomische Panel gibt es bereits seit 1983. Laut dieser Pressemitteilung ist die Armut in den letzten 10 Jahren um ein Drittel gestiegen.

Jetzt habe ich das richtige gefunden: Alles was ich wissen wollte in einem PDF. Mit Daten von 1984 bis heute. Die interessantesten Dinge:

  • (Seite 75 im PDF) Der Abstand zwischen 10 und 90% des Haushaltsnettoeinkommens ist von 2,98 auf 3,32 gestiegen. Ich vermute mal, 100% meint das maximale Haushaltsnettoeinkommen, also nicht das Durchschnittseinkommen. Es sind Quelldaten (z.B. für 1984) angegeben, aus den ich nicht so richtig schlau werde. Es fehlt irgendwie das Einkommen, es ist nur eine Anzahl aufgeschlüsselt. Nach was aufgeschlüsselt wurde, erschließt sich mir nicht.
  • Auch die anderen (90:50, 50:10) Verhältnisse sind gestiegen. Das heißt, daß die Schere weiter auseinander klafft. In meinen Augen jedoch nicht in dramatischem Umfang.
  • Interessant auch, daß es nicht linear und nicht nur gestiegen ist. In den 1980ern ist die Schere sogar wieder zusammengegangen. In dern 1990ern ist es stagniert und seit 2000 geht sie wieder auseinander. Das ist etwas, was ich auch schon in Talkshows gehört habe und es hiermit bestätigen kann.
  • Es folgen interessante Tabellen über das Durchschnittseinkommen (Seite 76) und die Armutsgrenze (Seite 77).
  • Auf den folgenden Seiten (bis 95) werden verschiedene Kriterien bezüglich Armut beleuchtet. Alle weniger interessant. Alle zeigen ähnliche Tendenzen: Bis 1990 sinkende, 1990-2000 stagnierende und seitdem ansteigende Armut. Was dann schon wieder alarmierend ist.
  • Interessant: Die Quote der „stabil Armen“ (z.B. Seite 95) – wusste gar nicht, daß es dieses Kriterium gibt. Macht aber in Kombination mit „raus aus der Armut“ (z.B. Seite 94) Sinn.
  • Genau umgekehrte Tendenzen bei „stabil nicht arm“: Anstieg bis 1990, Stagnation 1990-2000 und Sinkflug ab 2000. Insgesamt sind wir aber wieder auf dem Niveau von 1984 (!) .

Ok, ich habe genug erfahren.

Fazit: Es ist nicht so, daß es schwerwiegende Probleme gibt. Die Armutsquote steigt zwar derzeit an. Aber solche Katastrophenmeldungen wie „ein Drittel mehr als vor 10 Jahren“ verzehren das Bild und sind unsachlich. Es mag im Einzelfall stimmen, jedoch wird es dem Gesamtbild seit 1984 nicht gerecht. Es war gerade der ausufernde Sozialstaat der in den 1990ern als zunehmendes Problem begriffen wurde. Man kann aus einem „in 10 Jahren ein Drittel Steigerung“ nicht schließen, daß es in 30 Jahren zu einer Verdoppelung kommt. Im Gegenteil: 1984 war wir auf einem ähnlichen Niveau wie jetzt!

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

PS/Anhang: „Maßgeblich für die Bestimmung der Menschen, die als armutsgefährdet oder reich eingestuft werden, ist das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen (Median) der Bevölkerung. Dieses betrug in Niedersachsen im Jahr 2008 für Einpersonenhaushalte 1 280 Euro. Menschen, die mit weniger als 60 % dieses Betrags (768 Euro) auskommen müssen, gelten als armutsgefährdet; umgekehrt gelten Menschen, die für sich allein mehr als 200 % von diesem Betrag zur Verfügung haben, als „reich“.“ (Pressemitteilung). Das Durchschnittsnettoeinkommen ist 1280€ und die Armutsgrenze ist 768€ Nettoeinkommen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s